Es gibt Berufe, bei denen kaum jemand genau sagen kann, wie man sie eigentlich lernt. Wie wird man Parfümeur, eine “Nase”, die aus Tausenden Düften eine Komposition erschafft? Wie wird man Auktionator, der mit dem Hammer über Millionenwerte entscheidet? Und wer hat sich als Erster hingestellt und gesagt: Ich verkaufe jetzt Kunst, die noch keiner kennt, aber bald jeder haben will? Genau das war die Rolle des Galeristen und einer der ersten, der sie in Deutschland in dieser Form ausführte, war Paul Cassirer. Seinem Namen zum Trotz kein Kassierer an der Supermarktkasse, sondern ein Cassirer der Collections der besten Maler seiner Zeit.

Die Alte Nationalgalerie würdigt ihn mit der Ausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus”.

1898 gründete Cassirer mit seinem Cousin die „Kunst- und Verlagsanstalt Bruno und Paul Cassirer” in Berlin und setzte sich gegen die etablierte Kunst ein, die sich an der Vorliebe des Kaisers für die Antike orientierte.

Mithilfe seines legendären Kunstsalons förderte er maßgeblich die Verbreitung des französischen Impressionismus in Deutschland. Künstler wie Edgar Degas, Paul Cézanne, Édouard Manet, Claude Monet, Auguste Renoir und Vincent van Gogh erlangten durch ihn erstmals größere Aufmerksamkeit im deutschsprachigen Raum. Mit der Präsentation ihrer Werke prägte Cassirer die deutsche Kulturlandschaft nachhaltig und stieß leidenschaftlich geführte Diskussionen in der Öffentlichkeit an. Cassirer war spitzen Netzwerker und ein großzügiger Mäzen seiner Künstler und Autoren. Zahlreiche Werke fanden durch seine Vermittlung Eingang in bedeutende deutsche Sammlungen und Museen, darunter auch in die Bestände der Nationalgalerie.

Cassirer setzte sich auch für den deutschen Impressionismus ein und unterstützte die Berliner Secession um Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt. Drei Maler, die mit ihrer lockeren, lichtdurchfluteten Malweise den akademischen Stil ihrer Zeit aufbrachen. Gleichzeitig förderte er mit Edvard Munch und August Gaul bedeutende Wegbereiter der klassischen Moderne: Munch mit seiner emotional aufgeladenen, oft düsteren Bildsprache, Gaul als einer der bedeutendsten Tierbildhauer seiner Generation. Eine Zusammenarbeit, bei der sich der Blick ins Maul für beide lohnte. Auch die junge Avantgarde fand Eingang in seine Galerie: Mit Ernst Barlach und seinen expressiven Holz- und Bronzeskulpturen, mit Ernst Ludwig Kirchner als einem der Köpfe der Künstlergruppe „Brücke” und ihrer farbintensiven Formensprache, und mit Paula Modersohn-Becker, die als eine der ersten Künstlerinnen überhaupt einen eigenständigen, modernen Blick auf Mensch und Natur entwickelte. So versammelte Cassirer in seinem Sortiment nahezu alle wichtigen Strömungen auf dem Weg von der Moderne zur Avantgarde.

Cassirer war eben kein 08/15-Kassierer, sondern jemand mit internationalem Blick auf die Kunst. Vielleicht steckt in seinem Namen schon von Anfang an mehr, als man denkt: Wie viele der heutigen Galerien arbeiten, wie sie Cünstler aufbauen und Cunst in die großen Collections bringen, lässt sich bis zu diesem einen Cunstsalon zurückverfolgen.

Am Ende haben der Supermarktkassierer und der Cassirer der Kunstwelt nur den Klang gemeinsam. Ein Grund mehr, Cassirer zuliebe hier und da ein K durch ein C zu ersetzen. Dass sich “cool” ganz zufällig auch mit C schreibt, passt hier nur zu gut.

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