
Ob Wochenendtrip oder Fernweh-Abenteuer: Hier nehme ich dich mit in andere Städte und teile Eindrücke, die Lust aufs Losreisen machen.
Zwei Stunden östlich von Berlin
Was gleich um die Ecke liegt, läuft nicht weg. Dachte ich. Und buchte lieber Flüge in die andere Richtung.
Bis ich dann doch einfach in den Zug gestiegen bin nach Zielona Góra, Polens Weinhauptstadt. Auf Deutsch schlicht „Grüner Berg”, früher tatsächlich „Grünberg” und bis nach dem Zweiten Weltkrieg deutsch. Vom Berliner Hauptbahnhof aus ist man in knapp zwei Stunden über die Grenze, für 20 Euro pro Strecke, weniger als manche Uber-Fahrt quer durch Berlin.
Die Innenstadt empfängt einen mit bunten Bürgerhäusern, gemütlichen Cafés und einer der längsten Fußgängerzonen Polens. Und mit den Bacchus-Figuren über 60 kleine Wein-Zwerge, die durch die ganze Innenstadt lotsen. Wenn man die Welt aus 30 Zentimetern Höhe betrachtet, ergibt es auch Sinn, dass Wikipedia Zielona Góra als Großstadt aufführt.




Direkt am Rathaus am Marktplatz lohnen sich zwei Stopps: Im Café Palone Masło gibt es Ice Tonka Latte oder Hojicha Latte und Gebäck wie Pastéis de Nata, für gerade mal sechs Euro. Die Karte hätte man so auch in Berlin-Mitte erwartet, die Rechnung erfreulicherweise nicht. In der Bäckerei Śliwki na Sośnie nebenan gibt es Streuselschnecken, die noch warm aus dem Ofen kamen und deren eigentlicher Twist der Pudding ist, der sie von innen weich und schwer macht. Das Obst war so frisch, dass man sich fragt, wie viel Zeit wirklich zwischen Ernte und Ofen lag.

Danach das Palmenhaus, die Palmiarnia, ein bisschen Urlaub im Urlaub. Feuchte, warme Luft, riesige Palmen und das Gefühl, weiter weg zu sein als zwei Stunden von Berlin. Direkt nebenan liegt ein echter Weinberg mit Weinerei, wo wir regionale Tropfen verkostet haben. Die Stadt war historisch übrigens vor allem für ihren Weinanbau bekannt, 1826 wurde hier sogar der erste deutsche Sekt hergestellt.


Auf dem Rückweg zum Bahnhof noch Pierogi bei Sagan Kuchnia Polska, mit Feta und Spinat oder Kartoffeln gegessen. Manches schmeckt da wo es herkommt, einfach besonders gut.
Im Zug zurück schaute ich aus dem Fenster. Die Landschaft zwischen Polen und Berlin sah irgendwann gleich aus, man merkt die Grenze kaum. Vielleicht ist das der Punkt: Warum eigentlich immer weiter weg, wenn nebenan schon so viel wartet?
Roma, tavola per tavola
Im W Hotel zu übernachten war schon Wow und Rom hat das natürlich nochmal getoppt wie frisch geraspelter Parmesan, der langsam auf dem Teller schmilzt.
La Capitale genießt man am besten mit einem Aperitivo in der Hand und salzigen Kleinigkeiten. Aber nicht irgendwelchen: grüne Oliven, die geschmeckt haben wie frisch gemähter Rasen, der in der Nase kitzelt. So grün, dass frisch-gepresster Orangensaft neidisch wird, dazu Chips und knackige Taralli in Kringelform. Als wäre das nicht genug: Eine Etagere mit kleinen Häppchen wie Supplì, tomatig und mit Mozzarella gefüllt. Gerade genug, um sich nicht satt, aber auch nicht schuldig zu essen.


Römische Gourmet-Küche No. 1
Antica Pesa: Hinter dem Eingangsbereich, der mit Fotos von Michael Scott, dem guten Will Hunting oder Madonna dekoriert war, begann der wahre Hingucker im Speisesaal. Kunstwerke direkt an den Wänden, die Weinkarte so dick, dass sie bestimmt seit 1922 wächst, und ein Zitat von Charles Bukowski:
„Wenn man glücklich ist, trinkt man zum Feiern. Wenn du traurig bist, trinkst du, um zu vergessen, wenn du nichts hast, um traurig oder glücklich zu sein, trinkst du, um etwas geschehen zu lassen.“
Dann sprach die Küche zu uns:
Primo piatto: Pasta-Klassiker: Cacio e Pepe
Secondo piatto: Seebarsch-Filet mit Anchovy-Mayonnaise und Puntarelle-Salat. Als hätte die Welle direkt den Teller gespühlt.
Und manchmal belohnt einen das Leben mit einem Dessert. Manchmal sogar mit zweien. Die Kellnerin wusste das. Wir bekamen ein luftiges Tiramisu UND ein Buffalo Ricatta Cheesecake mit Kirschen und Aleatico-Crumble. Italienische Großzügigkeit mit Sahnehäubchen.

Aber Rom war noch nicht fertig mit uns und serviert seine Schönheit im Wechselspiel von Genießen und Gehen. Der beste Digestif ist ein Spaziergang bei Nacht.
Auch am nächsten Tag haben wir die Stadt erlaufen und uns danach durch ihre Speisekarten gegessen.
Erst die Nase: In der LabSolue Parfümerie roch die Luft nach Blumenwiese, einem Obstkorb und frischem Holz. Wie ein Spaziergang durch mehrere Flakons gleichzeitig, ohne sich entscheiden zu können.
Dann die Augen: Im Maison Halaby fängt man direkt an, innerlich seine eigene Wohnung umzudekorieren. Mit großen Blumensträußen und schönen Gemälden an der Wand. Und eine Atmosphäre, die kein Foto wirklich einfängt, weshalb man unbedingt selbst vorbeischauen sollte. Dann der Mund:
Römische Gourmet-Küche No. 2
Osteria da Fortuna: Hier macht die Nonna die Nudeln selbst und man kann ihr dabei am Fenster zusehen. Generationen-Wissen ohne Vorhang dafür frisch wie Fischers Fritze, aber mit Nonna statt Netz. Und Gästen. Vielen Gästen.

Satt aber nicht fertig, also weiter: Italien oder Spanien, Hauptsache Treppen steigen und den Ausblick von oben genießen: lohnt sich! Danach ins Hotel, fertig machen, Hunger wieder aufbauen.

Römischen Gourmet-Küche No. 3
Im Niko Romito war das Essen kein Menü, sondern ein Erlebnisparcours, von dem Michael Scott nur träumen könnte.
Schon der Gruß aus der Küche, eine Tomatensuppe, so rot wie die Liebe. So etwas „Einfaches“ war simply fantastic. Danach: Terrine aus Mangold und Kartoffeln mit Zitrone. Grün wie Seetang, aber schmackhaft wie das Mittelmeer auf der Zunge.
Langoustine mit Salat, Ingwer und Gin folgte. Optisch wie eine Cocktailsauce, in der Salatblätter tanzten. Danach Spinat-Spaghetti mit Basilikum, Parmigiano Reggiano und Zitrone wie Pasta aus einem Kräutergarten. Gefolgt von gedämpftem Seebarsch, Seeigel in Kartoffel-Sauce und Sriracha-Punch.
Danach kam Entenbrust mit Wacholder, schwarzem Pfeffer und Heidelbeeren oder Fisch mit kleinen Kartoffel-Quadraten wie orangene Mosaiksteine.
Und jeder Teller hat sich farblich der Speise angepasst. Und jeder Wein hat Schluck für Schluck das Essen noch besser gemacht. Ein Pairing wie Adam und Eva. Perfekt, bis zum Sündenfall Dessert: knusprig außen, cremig innen, mit Zitronenschalen und Estragon. Den Abschluss machten zwei Teigbällchen mit Vanille-Zitronen-Creme. Im Grunde ein Berliner mit italienischem Pass.

Auch an Tag drei sind wir tagsüber durch Gassen und entlang von Gemälden gelaufen, und haben und abends durch Menüs und Weinkarten geschmeckt.
Die Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea lohnt sich sehr, wenn man die ganz Großen sehen will. Der Fokus liegt auf italienischen Künstlern, aber auch van Gogh, Picasso, Monet, Cézanne, Klimt, Calder, Kandinsky, Mondrian, Klee, Miró, Rodin, Duchamp und Pollock haben sich eingeladen gefühlt.

Durch die Villa Borghese geschlendert, im Casina del Lago ein Eis in die Hand gedrückt bekommen und vergessen, dass man eigentlich schon satt war. Aber Italien ohne Gelato? Das wäre wie die Spanische Treppe ohne Stufen.
Römische Gourmet-Küche No. 4
Bei Da Francesco gab es römische Pizza so nah an der Straße, dass die Passagiere im Auto fast mitgegessen haben.

Vier Tage, vier Lokale, ein Gefühl: Rom erlebt man Bissen für Bissen. Die Teller waren durchgehend himmlisch. Die Art, von der man zuhause im eigenen Bett gern weiter träumt.
A loveletter to Copenhagen
Dänemark ist nah genug für einen Spontantrip und spannend genug für neue Spots. Zu einem WE-Trip in Kopenhagen sage ich natürlich: naturlig!
Nach 2,5 h Kaffee-Klatsch im Auto, 2 h auf dem Wasser und 1,5 h Powernap im Auto sind wir im Airbnb in Nørrebro angekommen, im Coolness-Dauerbrenner-Viertel.
Gegenüber bei Hero Deli gab’s die erste Stärkung: Sandwiches mit Allerlei wie in einer italienischen Salumeria, wo roasted veggies der saftige Sidekick sind. Klingt fantastico, no? Und der Employee of the Month: Doggo Pollock! Mein Herz (und der Mozzarella in meinem Sandwich) schmilzt dahin.
Den Abend haben wir im Køpenhavner Caféen für danish delightment verbracht: smørrebrød mit fried fish zum Beispiel und natürlich æblecage med fløde! „Fløde“ unmöglich zu sagen, aber still sind wir sowieso: Zu beschäftigt mit Essen. Food-coma incomingggggut, dass wir in den nächsten 24h durch die Innenstadt spaziert sind, wie Vorratsschränke auf zwei Beinen.
Angefangen bei der Hart Bageri von Richard Hart, Noma-Veteran, mit knusprigen Cardamom-Croissants und Cappuccino. Copenhagens C-Code in wenigen Bissen geknackt! Auf dem Weg zum Nyhavn haben wir den Garde-Wechsel nicht überhören können. Tipp3000: Eine Uhr am Handgelenk braucht man hier nicht, nur Ausschau halten nach der musizierenden königlichen Leibgarde, die wie ein Uhrwerk täglich um 11:30 Uhr vom Rosenborg Slot bis zum Amalienborg Slot marschiert.
Im Designmuseum japanische Kunst angeguckt und Stühle über Stühle. Natürlich mussten wir uns nach dem Rundgang erstmal setzen: Bei The Pie Company wartete ein südstaatlich-deftiger 3-Cheese-Pie mit Blumenkohl. Erst Japan, dann Amerika und trotzdem nie die Stadt verlassen.
Vielleicht ist das der Grund, warum die Dänen kaum auswandern. Hier musst du nur um die Ecke biegen, um in ein neues Land zu stolpern. Vom Rundetaarn aus sieht die Stadt aus wie ein Atlas in Bewegung. Wohin geht die nächste Reise? Der Abend brachte die Antwort: Mexiko. Im Llamamexikanische Mentalität verinnerlicht und selbstgemachte Tortilla-Chips mit frischer Guacamole, Tacos, Empanadas, Croquettas, fried Yuca, Ribeye und Ceviche. Muy bien und der Magen sagt gracias! Im Curfew danach: Erst Bücherregal-Tür auf, dann Cocktails rein.
Tag 2: Eigentlich wollten wir im Atelier September brunchen, aber die Schlange sprach dagegen. Also Plan W wie „Wow, das war salzig“. Auf dem Teller im Café (nennen wir‘s nicht laut, shhhh): Mehr Meer als Mahlzeit und definitiv eine Prise Verliebtheit. Der Durst blieb unser treuester Begleiter für den Rest des Tags. Kein Wunder, dass es uns ans Wasser geführt hat zur kleinen Meerjungfrau. Kaffee und Kuchen gab’s im La Glace, Dänemarks ältestes Confiserie. Abends dem Fisch nicht fern bleiben können bei Sticks & Sushi. Copenhagen, du weißt, wie du mich köderst.
Tag 3 war Abreisetag und Friheden unser Finale-Stopp. Bestellt wurden Pancakes mit Marmelade und Mascarpone, und wir wurden vollgetankt für die Heimreise. Meine Liebe zu dir, Copenhagen, geht eindeutig durch den Magen!

10 things I like about Paphos
Ein Reisebericht
Wer denkt, acht Tage in Paphos seien zu lang, hat wohl noch nie was von Workation gehört. Drei Tage saß ich in der Küche, mit Blick aufs Meer (Grund Nr.1). Von so einem „Office“ arbeitet es sich gleich viel leichter, und nicht nur deshalb kann ich eine Woche in dieser Stadt nur wärmstens empfehlen. Und das wortwörtlich: Laut Wetter-App sind es hier nämlich ganze 16 Grad mehr als in Berlin. Grund Nr. 2 für Paphos.
Grund Nr. 3: Bis zum Meer dauert’s keine 15 Minuten. Zu Fuß! Und schwupps hat man das Wellenrauschen im Ohr, Meerluft in der Nase und funkelndes Wasser vor der Linse.


Um alle Sinne rundum zu wecken, fehlt noch der gute Geschmack: Zorbas ist nie weit (Grund Nr. 4). Die Bäckerei weiß, was man an ihr hat, und gewährt rund um die Uhr Einlass. Es gibt Tahini-Schnecken, Mandel-Hörnchen, allerlei Teigtaschen, süß oder herzhafter gefüllt. Genau wie mein Magen danach.
Natürlich ist auch die Altstadt ein Spaziergang wert (Grund Nr. 5). Wer genau hinschaut, findet hier und da Street Art and a sign: you are exactly where you need to be. Finde ich auch!


Ein Haus namens The Place bringt zypriotisches Handwerk zu seinen Besuchern. Ob künstlerisch oder kulinarisch.
Apropos Kulinarik: Auch der Hunger lockt in die Altstadt, wo Cafés und Restaurants zum Energietanken einladen. So z. B. das Soho.79 mit hervorragendem Sushi und sehr guten Drinks. Mit Fenchel oder selbstgemachter Feigenmarmelade. Immer ein bisschen funky im Glas. Oder Rum&Jam für Pizza, die gehypten Berliner SourDough-Pizzerien eindeutig Konkurrenz macht. Hier wird Glück in Bissen gezählt. Oder das Ethos (allein schon eine Reise wert) und definitiv Grund Nr. 6: Zur Vorspeise gab’s Brot mit Oliven, als Hauptgang den catch of the day aka Fisch auf einer Dill-Gurken-Soße, and what a catch it was! Dazu Baby-Potato’s mit Parmesan on top. Kööstlich! Oder Comfort-Food auf zypriotisch. Weinbegleitung: ganz klar 10/10, Glas für Glas ein kleines Jamas.


Danach ins Kinky gegangen. Party, Party, Party! Und der Barkeeper meinte es gut mit uns. Sagen wir es so: Hier wird nicht gegeizt, sondern gegossen. Schon ein paar Tage vorher, zum Start des Karnevals, feierte die Stadt. Auch hier floss die Großzügigkeit ins Glas. Kein Lied war uns bekannt, aber die Stimmung war ansteckend, auf die bestmögliche Weise. Zwischen Catwoman und Cowgirls tanzte es sich doppelt kultig.
Apropos Karneval: ein Grund mehr, im Februar nach Paphos zu kommen und damit Grund Nr. 7: Denn am 12. Februar haben die Zyprioten ihre Grills ausgepackt und auf der Straße ihre Fleischspieße gedreht. Denn auch hier wird Carne-val gefeiert. Über der Stadt lag ein Hauch Tradition, Rauch und Appetit aufs nächste Essen.
Nach so viel Trubel durfte es dann etwas ruhiger werden: Für Wellness also ins Minthis gefahren (Grund Nr. 8). Ein Resort, das zu einem Golfplatz gehört, etwas höher in den Bergen gelegen. Wenn die Luft diesig ist und der Himmel grau, entspannt es sich gleich doppelt gut. Zwei Saunen, zwei Dampfbäder und zwei Pools später ging’s erholt wie nie zurück nach Hause.

Zu müde zum Kochen? Kein Problem und Grund Nr. 9: Wolt! Pita mit Halloumi und Pommes mit Tsatsiki und Knoblauch-Mayo von Gyromezes kann man sich auch hier ganz easy nach Hause liefern lassen. Ein Muss, auch ganz ohne -aka!
Grund Nr. 10: Ein Spaziergang durch den Kato Paphos Archaeological Park, UNESCO‑Welterbe mit römischen Villen und kunstvollen Mosaiken. Da träumt man sich gern ins 4. Jahrhundert zurück.

Der Leuchtturm lässt nur erahnen, wie der Blick von oben über das Meer wäre, aber auch von unten sieht er beeindruckend aus.
Und so vergingen 8 Tage wie im Flug. Auf Platz 2F noch einmal das Meer von oben gesehen, und an die Meeresluft gedacht, ich spüre das Salz auf den Wangen. Bis es gen Himmel geht und sich die letzten Tage anfühlen wie auf Wolke 7.

