Berlin ist das Schnüffelparadies für jeden mit guter Nase. Kürzlich aber haben wir, die Zweibeiner und ich, diese ganze Kulisse hinter uns gelassen und sind in den Harz gefahren.
Warum ausgerechnet dorthin? Nun, ich habe eine besondere Verbindung zu diesem Fleckchen Erde, schließlich habe ich dort einst das Licht der Welt erblickt.
Vier Tage im Grünen. Sie können sich kaum vorstellen, wie anders das war. Jenseits der Berliner Komfortzone zwischen Späti umme Ecke und Spree lag mein Frischepradies.

Statt Asphalt unter den Pfoten: Acker. Statt Großstadtgeräuschen: Gänse. Allem nachgehen was sich bewegt oder zumindest so richt, Mmmmmhmaulwurfshügel. Eine 180-Grad-Wendung, würde ich sagen, wenn ich etwas von Zahlen verstünde.
Ich habe meine Pfoten wieder richtig in die Erde gekrallt. In Berlin dient mir Asphalt meist eher als Nagelfeile, hier aber: weicher Boden, echtes Terrain. Ich bin so viel gelaufen, dass meine Zunge vermutlich kurz vor einem neuen Längenrekord stand.

Habe mich höchst zufrieden im Gras gewälzt und den Bauch in die Sonne gehalten. Der Geruch von Erde und ein Hauch von Tier. All das lag in der Luft und schließlich auch auf meinem Fell. Dieses Eau Intense lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Aus dem Harz mit extra viel „Was machst du da schon wieder?“
Leider wurde ich direkt danach geduscht und mein neuer Duft verschwand schneller im Abfluss, als mir lieb war. Aber zum Glück ist die Dusche halb so schlimm wie ihr Ruf. Danach habe ich mich strategisch in die Küche verzogen, denn von dort lässt sich das Geschehen draußen besonders gut beobachten. Die feuchte Nase ans Fensterglas gepresst, ein abstraktes Chaos à la Jackson Pollock an die Scheibe geschmiert. Unbezahlbar und unzerstörbar, bis der Putzlappen kam.

Draußen wartete ohnehin Besseres: Unser Haus lag am Hang. Ideal, um schnell hinauf- und hinunterzuflitzen. Was Schwerkraft ist, weiß ich zwar nicht, aber ignorieren kann ich sie trotzdem. Die Zweibeiner guckten baff. Wenn meine lange Zunge den Weltrekord nicht knackt, dann aber meine Turbo-Beine. Und die wollten rennen, egal wie früh es war, am liebsten durchs nasse Morgengras. Das kitzelte so schön an den Pfoten. Grund genug, noch schneller zu laufen.
Zum Frühstück danach gab es sogar einmal eine Frikadelle. Das bekomme ich sonst nie. Ich habe sie ganz langsam gegessen. Also fast. Ich hatte es zumindest vor.
Vor der Abreise sind wir noch einmal richtig laufen gegangen, diesmal auch die Zweibeiner. Ich bin ihnen ständig um die Beine herumgewuselt, im Kreis, vor, zurück. Mein eigener Sirtaki. Dann ging es zurück nach Berlin. Ich habe mich direkt ins Bett gelegt und weitergeträumt: vom Acker, vom nassen Gras, von der Frikadelle. Mmmhhm.


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