Im W Hotel zu übernachten war schon Wow und Rom hat das natürlich nochmal getoppt wie frisch geraspelter Parmesan, der langsam auf dem Teller schmilzt.
La Capitale genießt man am besten mit einem Aperitivo in der Hand und salzigen Kleinigkeiten. Aber nicht irgendwelchen: grüne Oliven, die geschmeckt haben wie frisch gemähter Rasen, der in der Nase kitzelt. So grün, dass frisch-gepresster Orangensaft neidisch wird, dazu Chips und knackige Taralli in Kringelform. Als wäre das nicht genug: Eine Etagere mit kleinen Häppchen wie Supplì, tomatig und mit Mozzarella gefüllt. Gerade genug, um sich nicht satt, aber auch nicht schuldig zu essen.



Römische Gourmet-Küche No. 1
Antica Pesa: Hinter dem Eingangsbereich, der mit Fotos von Michael Scott, dem guten Will Hunting oder Madonna dekoriert war, begann der wahre Hingucker im Speisesaal. Kunstwerke direkt an den Wänden, die Weinkarte so dick, dass sie bestimmt seit 1922 wächst, und ein Zitat von Charles Bukowski:
„Wenn man glücklich ist, trinkt man zum Feiern. Wenn du traurig bist, trinkst du, um zu vergessen, wenn du nichts hast, um traurig oder glücklich zu sein, trinkst du, um etwas geschehen zu lassen.“
Dann sprach die Küche zu uns:
Primo piatto: Pasta-Klassiker: Cacio e Pepe
Secondo piatto: Seebarsch-Filet mit Anchovy-Mayonnaise und Puntarelle-Salat. Als hätte die Welle direkt den Teller gespühlt.
Und manchmal belohnt einen das Leben mit einem Dessert. Manchmal sogar mit zweien. Die Kellnerin wusste das. Wir bekamen ein luftiges Tiramisu UND ein Buffalo Ricatta Cheesecake mit Kirschen und Aleatico-Crumble. Italienische Großzügigkeit mit Sahnehäubchen.



Aber Rom war noch nicht fertig mit uns und serviert seine Schönheit im Wechselspiel von Genießen und Gehen. Der beste Digestif ist ein Spaziergang bei Nacht.
Auch am nächsten Tag haben wir die Stadt erlaufen und uns danach durch ihre Speisekarten gegessen.
Erst die Nase: In der LabSolue Parfümerie roch die Luft nach Blumenwiese, einem Obstkorb und frischem Holz. Wie ein Spaziergang durch mehrere Flakons gleichzeitig, ohne sich entscheiden zu können.
Dann die Augen: Im Maison Halaby fängt man direkt an, innerlich seine eigene Wohnung umzudekorieren. Mit großen Blumensträußen und schönen Gemälden an der Wand. Und eine Atmosphäre, die kein Foto wirklich einfängt, weshalb man unbedingt selbst vorbeischauen sollte. Dann der Mund:
Römische Gourmet-Küche No. 2
Osteria da Fortuna: Hier macht die Nonna die Nudeln selbst und man kann ihr dabei am Fenster zusehen. Generationen-Wissen ohne Vorhang dafür frisch wie bei Fischers Fritze, aber mit Nonna statt Netz. Und Gästen. Vielen Gästen.

Satt aber nicht fertig, also weiter: Italien oder Spanien, Hauptsache Treppen steigen und den Ausblick von oben genießen: lohnt sich! Danach ins Hotel, fertig machen, Hunger wieder aufbauen.

Römischen Gourmet-Küche No. 3
Im Niko Romito war das Essen kein Menü, sondern ein Erlebnisparcours, von dem Michael Scott nur träumen könnte.
Schon der Gruß aus der Küche, eine Tomatensuppe, so rot wie die Liebe. So etwas „Einfaches“ war simply fantastic. Danach: Terrine aus Mangold und Kartoffeln mit Zitrone. Grün wie Seetang, aber schmackhaft wie das Mittelmeer auf der Zunge.
Langoustine mit Salat, Ingwer und Gin folgte. Optisch wie eine Cocktailsauce, in der Salatblätter tanzen. Danach Spinat-Spaghetti mit Basilikum, Parmigiano Reggiano und Zitrone wie Pasta aus einem Kräutergarten. Gefolgt von gedämpftem Seebarsch, Seeigel in Kartoffel-Sauce und Sriracha-Punch.
Danach kam Entenbrust mit Wacholder, schwarzem Pfeffer und Heidelbeeren oder Fisch mit kleinen Kartoffel-Quadraten wie orangene Mosaiksteine.
Und jeder Teller hat sich farblich der Speise angepasst. Und jeder Wein hat Schluck für Schluck das Essen noch besser gemacht. Ein Pairing wie Adam und Eva. Perfekt, bis zum Sündenfall Dessert: knusprig außen, cremig innen, mit Zitronenschalen und Estragon. Den Abschluss machten zwei Teigbällchen mit Vanille-Zitronen-Creme. Im Grunde ein Berliner mit italienischem Pass.








Auch an Tag drei sind wir tagsüber durch Gassen und entlang von Gemälden gelaufen, und haben und abends durch Menüs und Weinkarten geschmeckt.
Die Galleria Nazionale d’Arte Moderna e Contemporanea lohnt sich sehr, wenn man die ganz Großen sehen will. Der Fokus liegt auf italienischen Künstlern, aber auch van Gogh, Picasso, Monet, Cézanne, Klimt, Calder, Kandinsky, Mondrian, Klee, Miró, Rodin, Duchamp und Pollock haben sich eingeladen gefühlt.



Durch die Villa Borghese geschlendert, im Casina del Lago ein Eis in die Hand gedrückt bekommen und vergessen, dass man eigentlich schon satt war. Aber Italien ohne Gelato? Das wäre wie die Spanische Treppe ohne Stufen.
Römische Gourmet-Küche No. 4
Bei Da Francesco gab es römische Pizza so nah an der Straße, dass die Passagiere im Auto fast mitgegessen haben.

Vier Tage, vier Lokale, ein Gefühl: Rom erlebt man Bissen für Bissen. Die Teller waren durchgehend himmlisch. Die Art, von der man zuhause im eigenen Bett gern weiter träumt.

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