Es gibt Tage, an denen einfach alles passt. Das Wetter heute zum Beispiel und dass irgendwer das Gallery Weekend genau auf diesen Sonntag gelegt hat. Berlin leuchtete in seinen besten Farben. Dann geht man in eine Galerie und die Farben hören einfach nicht auf. Schöneberg ist an diesem Sonntag nicht einfach Schöneberg, sondern eine große Ausstellung, deren Straßen als Flur dienen.

Bülowstraße 18: Die Tankstelle

Kurz vor elf, und schon eine Schlange vor der Pace Gallery, im Volksmund »die Tankstelle« genannt. Drinnen: Adam Lupton mit Too Sure of the Sun. Die Bilder sind ausschließlich in Rot und Blau gehalten. Auf einem der Werke steht, in Glückskeks-Manier: you will choose the wrong path. Ob das stimmt, wird sich zeigen, die Route hat ja gerade erst begonnen.

Besonders in Erinnerung geblieben: großformatige Badezimmerkacheln, auf denen Männer beim Ringen dargestellt sind. Der privateste Ort der Welt, an dem man morgens mit sich selbst ringt. Gute Gedanken für unter der Dusche.

Pohlstraße 64: Galerie Tanja Wagner

Ein paar Straßen weiter. Das Blau zieht sich, vom Himmel draußen, von Luptons Leinwänden, jetzt ins Mittelmeer. Elisa Giardina Papa zeigt mit A Naked-Eye Blue Gemälde und eine Videoinstallation und erzählt dabei von einer Insel, die 1831 durch einen unterseeischen Vulkanausbruch zwischen Tunesien und Sizilien entstand, Europa sich drum streitet und sechs Monate später ist sie einfach weg. Ohne Sieger und ohne Besitzer. Manchmal erledigen sich die Dinge doch einfach von selbst. Man muss ihnen nur den Raum dafür lassen. Ab in den nächsten.

Potsdamer Straße 83: Galerie Judin

Jorinde Voigt mit Non-Fiction. Auf den ersten Blick fast klinisch. Als würde man durch ein Mikroskop auf wachsende Zellen schauen. Auf den zweiten bleibt man länger stehen als geplant. Die Farben, die Strukturen und auch die Wände der Galerie selbst in die Arbeit einbezogen. Man könnte fast denken, dass man nicht vor dem Werk steht, sondern mittendrin.

Potsdamer Straße 77-87: Galerie Max Hetzler

Der letzte Stopp, und im Nachhinein der richtige Abschluss. The Self Assessed ist eine Gruppenausstellung rund um das Selbstporträt mehrerer Künstlerinnen und Künstler. Und eine Frage: Wer bin ich, wenn ich mich selbst male?

Man steht vor diesen Bildern und denkt erstmal: Das ist ein Selbstporträt, das sagt mir was über den Künstler. Und dann, irgendwie schleichend, sagt es einem auch was über sich selbst. Wer einen Sonntag lang durch Galerien spaziert, kommt am Ende ein kleines bisschen anders raus, als er reingegangen ist. Nicht weil die Kunst einem sagt, wer man ist, sondern weil sie einem einfach ein anderes Gefühl mitgibt. Wofür, lässt sich schwer sagen. Aber man merkt es, oder?

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