Ich entscheide mich eigentlich immer für Letzteres. Aber nach dem Besuch in der Ausstellung Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus wäre ich gern Liebermann. Es scheint, als hätte er ein Leben in Saus und Braus geführt: jahrzehntelange Sommer in den Niederlanden, mal Zandvoort, mal Haarlem, mal Noordwijk. Die Niederländer könnten ihn fast schon einen der ihren nennen. Dazu ein Stadtpalais direkt neben dem Brandenburger Tor, eine Sommervilla am Wannsee, die er stolz sein „Schloss am See” nannte und zwischendrin Paris und das Künstlerdorf Barbizon. Kein schlechtes Leben für einen, der eigentlich Chemie studieren wollte.

Und er war so viel mehr als ein gut situierter Weltenbummler: Liebermann gilt als der Wegbereiter des Impressionismus in Deutschland. Er brachte den lockeren, lichtdurchfluteten Malstil aus Frankreich und den Niederlanden mit nach Hause und machte ihn salonfähig.

Und ja, als Mann hatte er es dabei einfach leichter. Während Liebermann reiste, studierte und Kunstgeschichte schrieb, malten seine weiblichen Zeitgenossinnen oft im Verborgenen, wurden kaum ausgestellt und noch seltener ernst genommen. Berthe Morisot, Paula Modersohn-Becker, Käthe Kollwitz: Alle hochtalentiert aber mit deutlich mehr Gegenwind.

Das Barberini Museum zeigte 110 Werke zur Entwicklung des Impressionismus in Deutschland. Der Rundgang beginnt unten und der Einstieg ist erstmal kein leichter: Stadtszenen im Regen, gedämpftes Licht, graue Straßen. Werke von Liebermanns Zeitgenossen, die den Impressionismus auf ihre eigene, nüchternere Art interpretierten. Anders als in Frankreich, wo Monet und Renoir Licht und Farbe feierten, blieb die deutsche Variante ernster und näher am Alltag. Keine Seerosen und Sonnenterassen sondern Heime und strickende Frauen am Fenster.

Eine Etage höher ändert sich das Bild. Kinderportraits, Landschaften, Theaterszenen im typisch impressionistischen Stil, mit lockeren Pinselstrichen und viel Licht.

Genau deshalb ist die Ausstellung so interessant. weil sie zeigt, dass der Impressionismus in Deutschland kein einheitliches Lächeln war, sondern eine ganze Bandbreite. Von der nassen Berliner Straße bis zum sonnigen Garten am Wannsee. Liebermann hatte das Privileg, diese ganze Bandbreite auszuleben. Die meisten seiner Zeitgenossinnen malten sie nur, und das aber oft genauso gut. Der Unterschied war selten das Talent, sondern die Freiheit, es auch auszuleben. Lieber Frau sein? Immer. Die Villa am Wannsee kann man schließlich auch umbenennen. 

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