Wenn ich das Wort Factory höre, denke ich zuerst an das legendäre Atelier und den New Yorker Treffpunkt, wo sich Kunstszene, Drag Queens und Celebrities zusammenfanden. Andy Warhols Factory.
Campbell’s Suppendosen kennt jeder. Dass Warhol insgeheim viel lieber in Konditoreien als in Suppentöpfe schaute, ist die weniger erzählte Geschichte. Diese Sehnsucht nach Süßem zog sich wie eine auseinandergerollte Lakritzschnecke durch sein Leben, von der Kindheit in Pittsburgh bis ins New Yorker Atelier. Mit wachsendem Erfolg wuchs auch sein Radius: Er kannte die besten Konditoreien der Stadt, war Stammgast im „Serendipity 3” an der East 58th Street. Ein Café, das er offenbar so schätzte, dass er dort fast genauso viel Zeit verbrachte wie in der Factory. Allein vom „Frrrozen Hot Chocolate” mit Erdnussbutter soll er über 35.000 Portionen bestellt haben. Gegessen hat er davon deutlich weniger. Warhol war sehr kalorienbewusst und entwickelte seinen ganz eigenen Umgang mit der süßen Versuchung: kaufen, anschauen und weitergeben. Eine Diät, die er irgendwann selbst als „Andy Warhol New York City Diet” bezeichnete.


No Sugar Factory wäre also eigentlich genau das Richtige für ihn gewesen.
Die Konditorei auf der Akazienstraße in Schöneberg, einem Kiez, der schon lange weiß, dass man sich für das, was man liebt, nicht rechtfertigen muss, backt ohne Zucker, Butter und Fett. Dafür mit viel Protein, wenig Kalorien und natürlichen Süßungsmitteln wie Datteln und Agavendicksaft. Auf der Karte stehen Kuchen, Cookies und Milchshakes.
Eine Box mit zwei Kuchenstücken und zwei Toppings gibt es für 6 Euro. Ich hatte Bananenbrot mit Schokoladenstückchen und Mohn-Zitronenkuchen. Beide Stücke haben eine dichte, feuchte Konsistenz, eher saftig und kompakt, so wie Bananenbrot eben ist, wenn die Banane wirklich die Hauptzutat ist. Geschmeckt haben beide und danach hatte ich das Gefühl, genau die richtige Menge gegessen zu haben.
Dazu gab es Sauce und zwar nicht zu knapp: Blueberry, Erdbeere, vegane und klassische Vanille stehen zur Wahl. Auf Empfehlung der Verkäuferin landete die Blueberry Sauce auf meinem Tablett. Wer selbst mal vorbeischaut, sollte ihr folgen. Das einzige, was es noch besser gemacht hätte: Saucenbehälter, die groß genug sind, um das Kuchenstück richtig reinzutunken.
Warhol hätte wahrscheinlich zwei Stücke bestellt, eines fotografiert und das andere verschenkt. Aber gegessen? Vielleicht sogar beide.

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