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Es sind die kleinen Dinge, oder? Ein Winterkonzert an der UdK
Es sind die kleinen Dinge, auf die es im Leben ankommt. Das wusste schon Musikkritiker George Bernard Shaw. Und kaum ein Abend hätte das schöner zeigen können als das Winterkonzert des Symphonieorchesters der UdK am 30. Januar 2026. Die musikalische Leitung übernahm Harry Curtis. Der Saal: ausverkauft. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Präsidenten der UdK, Prof. Dr. Markus Hilgert, begann der musikalisch dreiteilige Abend.

Zu Beginn erklangen Paul Hindemiths Sinfonische Metamorphosen nach Themen von Carl Maria von Weber. In der Mitte des Programms: eine Abschlussprüfung, gemeistert wie von den großen Meistern selbst. Der Absolvent Wataru Hisasue spielte Mozarts Klavierkonzert Nr. 25, für das eigens der Flügel in die Mitte des Saales geschoben wurde. Ein makelloser Moment, möchte man meinen.

Doch auch im dritten Teil, bei Brahms’ Sinfonie Nr. 4, wanderte mein Blick nach oben links in die Ecke der Bühne. Dorthin, wo die kleinen, unscheinbaren Instrumente standen: Triangel, Paarbecken, all jene, die nicht unbedingt im Rampenlicht stehen. Und ich fragte mich: Sind es nicht oft die kleinen Dinge, die den Unterschied machen? Eine Geige unter vielen kann sich einen falschen Ton leisten. Doch ein einziger Schlag auf die Triangel, zu früh oder zu spät, fällt sofort auf. Vielleicht ist es genau das, was solche Instrumente so besonders macht. Sie erinnern daran, dass weniger oft mehr ist, wenn es mit Bedacht geschieht. Triangel und Paarbecken sind genauso wichtig wie alle anderen, nur in einer anderen Rolle. Es kommt nicht darauf an, immer die erste Geige zu spielen, sondern auch oben in der Ecke zu sitzen, zuzuhören und den richtigen Moment zu erspüren. Den Moment, in dem ein kleiner Klang die ganze Musik verändert. Vielleicht liegt genau darin das Glück: in der Hingabe an die kleinen Dinge, die das Ganze erst vollkommen machen.
Diese Hingabe war an diesem Abend überall zu spüren. Die Künstlerinnen und Künstler nahmen das Konzert spürbar ernst, erschienen in eleganter Abendgarderobe, und selbst der Flügel glänzte in tiefem Schwarz, gespendet von der Stiftung am Grunewald.
Während ich im Publikum saß und eigentlich den kleinen Dingen meine Aufmerksamkeit schenken wollte, dachte ich: Wenn ich eines Tages groß bin und etwas zu geben habe, vielleicht sogar einen Flügel, möchte ich das auch tun. Kunst unterstützen. Den Künstlerinnen und Künstlern, die diesen Abend so besonders gemacht haben, etwas zurückgeben. Und Menschen wie mir im Publikum die leise Ahnung schenken, dass auch wir, von unseren kleinen unscheinbaren Plätzen aus, etwas Großes bewirken können.
Am Ende geht es wohl um beides: die kleinen Dinge wertzuschätzen und an den großen festzuhalten. Wer klein anfängt, kann noch groß werden. Vielleicht sogar ich, hier auf meinem Platz im Publikum.

Sommer im Januar mit anaïs im hole44
Berlin, minus sechs Grad. Draußen zog der Winter durch Neukölln, mitten in der Stadt und alles andere als „am Arsch der Welt“ (2025). Bei diesen Temperaturen denkt man sich gern zurück in den „Juli“ (2025) oder „Nah am Meer (…)“ (2025).
Statt „Dior Sauvage“ (2025) lagen an diesem Abend jedoch Seifenblasen in der Luft, als anaïs am Freitagabend im Neuköllner hole44 auf die Bühne tritt. Ihre „Wünsch dir was“-Tour hat Halbzeit, und Berlin bekommt einen Abend geschenkt. Noch zwei Stopps bis zum Tour-Ende. Im Mittelpunkt stand, wie so oft, das Gefühl von Sommer, Leichtigkeit und Liebe. Kein Wunder, dass viele Pärchen da waren. Woher ich das weiß? Nun ja, es wurde sich geküsst, oder hat da jemand „fremdgeknutscht“ (2025)?
Das Publikum zeigte seine Liebe auch mit ausgeschnittenen Papierherzen beim Song „Fremdknutschen“ (2025) und alten Kinderfotos ihrer „kleinen Anaïs“ zu „Kommst du mich trösten“ (2025), arrangiert von ihrer Fan-Community.
Es gab Features mit Carlo5 und einem weiteren Künstler, der sich im Publikum versteckt hatte. „Désolée“ (2025), jetzt fällt mir sein Name nicht ein. Moment … ah, Dominik Hartz verrät anaïs’ Insta-Story. Den Song „Bisschen wach“ (2025) performen sie so nahbar wie möglich, mitten in der Crowd. anaïs ist also kein Indie-Popsternchen, das Distanz braucht, sondern ein „Wirbelwind“ (2025) voller Energie und ansteckender guter Laune, die ihr Publikum zum Tanzen, Lachen und Träumen einlädt.
Dieses Nähegefühl nahm sie auch mit in einen anderen Moment: Sie fragte das Publikum, welcher Song als Nächstes gespielt werden soll. So standen entweder „Ein Teil“ von Cro (ihr Fan-Girl-Song) oder „Alors on danse“ von Stromae zur Auswahl. anaïs hat ihre musikalischen Wurzeln zwar im Englischen, schreibt und singt aber seit fast einem Jahr hauptsächlich auf Deutsch. Ihr zweisprachiges Aufwachsen klingt in ihren Songs durch frankophile Zwischentöne mit. Am Ende wurden beide Songs gespielt.
Als sie schließlich „Valentino“ (2025) anstimmt, mischen sich Sehnsucht und Vorfreude auf den nächsten Sommer. Aber jetzt ist erstmal „alles (…) gut, wie es grad ist“ (aus Valentino) und zumindest für etwa zwei Stunden der Winter vergessen.
Hinweis: Alle in Anführungszeichen gesetzten Wörter mit Jahresangabe beziehen sich auf Songtitel der Künstlerin anaïs.

