
Galerien, Ausstellungen und Ateliers: Hier gibt’s Inspiration für alle, die gern schauen, staunen und mit offenen Augen das nächste große Kunstwerk suchen.
Nach Madrid geflogen
Nach Madrid geflogen
um auf die ARCO zu gehen
Spaniens internationale Messe
für zeitgenössische Kunst
feiert 2026 ihre 45. Ausgabe
mit dem zentralen Thema
„ARCO2045: Die Zukunft, vorerst“
—
Hallen voller Visionen
zwischen Gegenwart und Möglichkeit
Menschen staunen und wandern
mit den Augen
von Bildern zu Skulpturen
—
Materialien und Menschen
kommen zusammen
flüchtig berührt uns die Idee der Zukunft
morgen zurück zum Flughafen
unsere Zukunft, vorerst




Ein Vormittag mit David Lynch
Morgens, noch vor dem Frühstück, mache ich mich auf den Weg und lande kurz nach elf in der Pace Gallery. Auf zwei Etagen zeigt die Ausstellung aktuell Gemälde, Fotografien und Kurzfilme durch die Linse von David Lynch.

Wer den Filmregisseur kennt, weiß: Er taucht sein Publikum in eine unverwechselbare, manchmal verstörende Welt, die das Unbewusste berührt. Realität und Fantasie vermischen sich. Und so lässt seine Kunst viel Raum für Deutung. Warum also heute nicht einmal süßer statt düster?
Werfen wir mal einen Blick drauf:

Sind das etwa zwei warm gewordene Werther’s Originale, die Lynch zu lange in seiner Tasche hatte? Daneben ein Streifen Erdnussbutter mit zwei Heidelbeeren on top. Die blauen Tropfen? Vielleicht grobes Salz. Lynch würzt eben wie Popcorn: süß, salzig und ein bisschen verrückt.

Sehe ich da eine Gewürzgurke mit zwei Spritzern Senf? Daneben eine knusprige Pommes mit Mayo, und zum Nachtisch ein Lolli. Das kleine Krokodil? Ganz klar: Haribo.
Essen, überall Essen. Man merkt wohl, dass ich noch nicht gefrühstückt habe. Zum Glück liegt das Zeit Café direkt gegenüber. Ich schau auf die Croissants und denke an: David Lunch.

Zwischen Spiegeln und Geschichten: Diane Arbus im Gropius Bau
Es sind meistens Gesichter, denen man direkt ins Auge blickt. Und diese Blicke der Menschen auf Diane Arbus’ Fotografien schauen zurück. Mit Diane Arbus: Konstellationen zeigt der Gropius Bau in Berlin die bislang umfassendste Ausstellung der US-amerikanischen Fotografin. 454 Schwarz-Weiß-Aufnahmen, viele davon erstmals öffentlich zu sehen, entfalten ein kaleidoskopisches Porträt menschlicher Vielfalt.
Doch die Schau erzählt nicht nur die Geschichten der Abgebildeten, sondern öffnet auch einen Raum für die Geschichten der Betrachtenden. Zwischen Porträts von Zirkusartist*innen, Ballerinas, Menschen mit Masken oder „Namenlosen“ begegnet man vor allem sich selbst. Hinter den Fotografien hängen nämlich teilweise selbst Spiegel, sodass man unweigerlich Teil der Ausstellung wird. Aber in Farbe, während Arbus’ Welt in Schwarz-Weiß bleibt.
Dieses Spiel zwischen Nähe und Distanz, zwischen Bühne und Blick hinter die Kulissen, zieht sich durch die Ausstellung wie ein roter Faden. Was heißt es, sich selbst zu zeigen? Und was heißt es, gesehen zu werden? Arbus’ Kamera fusionierte beides: das Schauspiel des Lebens und die Wirklichkeit dahinter.
Die Fotografien selbst sind nicht nach Jahren oder Themen sortiert, sondern in scheinbar zufälliger Folge angeordnet. Alle Betrachtenden suchen ihren eigenen Weg dadurch. Es gibt also kein „richtiges“ Durchlaufen, kein festgelegtes Narrativ. So vielfältig wie die Menschen auf den Fotografien ist also auch der Blick, den man auf sie werfen kann.
Im Booklet sind nur die beschreibenden Bildtitel vermerkt, wenn es überhaupt welche gibt. Die Geschichte dahinter bleibt offen. Eine Einladung, sich selbst ein Bild zu machen. Vielleicht entdeckt man darin nicht nur die Menschen aus New York der 1950er- und 60er-Jahre, sondern auch Hintergrund-Details der eigenen Geschichte. Denn das Leben, so scheint diese Ausstellung zu sagen, ist nicht nur schwarz-weiß. Es ist voller Zwischentöne und vor allem, im Spiegel, auch in Farbe.

Zwischen Mythos und Magie: Das Einhorn in der Kunst
Ein pferdeähnliches Wesen mit Elefantenhufen, Löwenschweif und Anklängen an den Drachen verweigert sich jeder Eindeutigkeit. Vielleicht liegt genau darin seine anhaltende Faszination: Wenn dieses Fabelwesen möglich ist, was ist dann nicht möglich?
Im Museum Barberini in Potsdam lädt die neue Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ zur Begegnung mit dem archetypischen indischen Nashorn ein.
Wie wäre das nur auf der Arche?
Der Ursprung des Einhorns liegt wahrscheinlich in antiken Berichten über wilde Tiere aus Indien, die von griechischen Gelehrten wie Ktesias beschrieben wurden.
Es ist Symbol für Reinheit und Freiheit, für Zuneigung und ungezähmte Kraft zugleich. Seit Jahrtausenden inspiriert dieses Fabelwesen Künstlerinnen und Künstler, Dichter und Träumer.
Mehr als 80 Leihgeber aus 16 Ländern haben Werke zusammengetragen, von frühen Darstellungen aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus bis zu zeitgenössischen Werken.
Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Manuskripte, Tapisserien und kunstvolle Objekte zeigen das Einhorn als Projektionsfläche menschlicher Sehnsüchte und als Metapher für das Unerreichbare.
Einstellungssacge vor allem im Januar. Vielleicht lauft die Ausstellung deswegen über Silvester hinaus, als Einladung, das Einhorn aus neuer Perspektive zu betrachten. Es erinnert daran, dass auch im neuen Jahr das scheinbar Unmögliche möglich werden kann, wenn man daran glaubt. Ganz so, wie die Worte „In God We Trust“ auf dem Dollar oder das Einhorn im Wappen des Vereinigten Königreichs: Zeichen eines Vertrauens in etwas Größeres, Unsichtbares, Magisches.
Vielleicht liegt darin das Geheimnis seiner fortwährenden Anziehungskraft: Das Einhorn steht für den Glauben an das Gute und dafür, dass in einer rationalen Welt noch Platz bleibt für Wunder, man muss nur daran glauben.

